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Die CSU Plößberg hat am 02. März 2026 – eine Woche nach der Marktratssitzung und wenige Tage vor der Kommunalwahl – einen „Faktencheck Zukunft Kinderbetreuung“ veröffentlicht. Wir haben uns die Aussagen genau angeschaut.


CSU-Behauptung 1: „Fachkräfte, Träger & Elternbeirat sprechen sich für Beidl aus“

Das stimmt so nicht.

Der Elternbeirat der Johanniter-Kinderbetreuungseinrichtungen hat in seiner offiziellen Stellungnahme vom 09.02.2026 wörtlich geschrieben:

Aus diesem Grund möchten wir keine konkrete Empfehlung für oder gegen eine der beiden Varianten aussprechen.“

Der Elternbeirat hat sich bewusst nicht für eine Variante ausgesprochen. Er hat dem Marktrat Kriterien an die Hand gegeben – unter anderem Raumqualität, Außenbereiche und Inklusion – und gefordert, dass diese bei jeder Variante erfüllt werden müssen.

Die CSU vereinnahmt damit ein unabhängiges Eltern-Ehrenamt für ihre Wahlkampfkommunikation.

Das ist nicht in Ordnung. Der Elternbeirat ist ein ehrenamtliches Gremium engagierter Eltern – kein Wahlkampfinstrument einer Partei.


Auch im Pressebericht des Neuen Tags wird die CSU-Fraktionsvorsitzende mit den Worten zitiert: „Alle, die mit Kinderbetreuung zu tun haben, haben sich für Beidl ausgesprochen.“ Das steht im direkten Widerspruch zur schriftlichen Stellungnahme des Elternbeirats. Die Vereinnahmung ist damit nicht nur im Social-Media-Post, sondern auch in der öffentlichen Sitzung dokumentiert.


CSU-Behauptung 2: „Bürgerbefragung: 40 Stimmen für Beidl, 16 für Plößberg“

Richtig, aber nur die halbe Wahrheit.

Die CSU zitiert ausschließlich die offizielle Bürgerbefragung des Marktes mit 56 Stellungnahmen – und verschweigt bewusst, dass es eine weitere Bürgerumfrage gab.

Die WgBfB-Bürgerumfrage hatte 162 bereinigte, valide Antworten (nach Doppelprüfung) und zeigt ein deutlich differenzierteres Bild:


Offizielle BefragungWgBfB-Bürgerumfrage
Für Beidl4079 (48,77 %)
Für Plößberg1667 (41,36 %)
Unentschieden16 (9,88 %)
Gesamt56162

Marktrat Marcus Fritsch hat in der Sitzung selbst darauf hingewiesen, dass dieses Stimmungsbild von knapp 300 Bürgern „nicht einfach unberücksichtigt bleiben könne.“ Die CSU blendet das vollständig aus.

Wer einen „Faktencheck“ macht, sollte alle Fakten nennen – nicht nur die, die ins eigene Bild passen.

Auch der Pressebericht des Neuen Tags bestätigt: In der Sitzung wurde darauf hingewiesen, dass die WgBfB-Umfrage „bei 300 Bürgern ein Stimmungsbild gezeigt [habe], das nicht einfach unberücksichtigt bleiben könne.“

Die CSU ignoriert dies in ihrem „Faktencheck“ vollständig.


CSU-Behauptung 3: „Der Marktrat entschied einstimmig“

Technisch korrekt – aber bewusst irreführend.

Ja, die Abstimmung fiel einstimmig aus. Was die CSU verschweigt: Marktrat Marcus Fritsch hat den Sitzungssaal vor der Abstimmung verlassen und damit an der Abstimmung nicht teilgenommen.

Fritsch hatte zuvor beantragt, den Tagesordnungspunkt abzusetzen und die Entscheidung dem neuen Marktrat nach der Kommunalwahl zu überlassen. Dieser Antrag wurde abgelehnt.

„Einstimmig“ klingt nach vollständigem Konsens. Die Realität ist: Ein Marktrat hat nicht mitgestimmt. Das gehört zur vollständigen Darstellung dazu.


CSU-Behauptung 4: „Es handelt sich um einen Grundsatzbeschluss“

Dann stellt sich eine wichtige Frage:

Aufmerksame Bürgerinnen und Bürger haben über die offizielle App des Marktes Plößberg folgende Angaben entdeckt:

6. Die angesetzten Kosten für Sanierung und Anbau wurden durch ein externes Architekturbüro anhand eines Leistungsverzeichnisses und aktueller Baukosten kalkuliert.“

7. Die ebenfalls angesetzten Kosten für eine Verlegung des Schulsportplatzes und einem Abbruch der KiTa Beidl wurden anhand von Leistungsverzeichnissen und aktuellen Baukosten kalkuliert.“

Das ist bemerkenswert. Denn Leistungsverzeichnisse (LV) werden in der Bauplanung typischerweise erst in der Leistungsphase 6 – Vorbereitung der Vergabe erstellt. Das bedeutet nach allgemeinem Fachwissen:

  • Der Entwurf steht fest
  • Die Genehmigung ist meist erfolgt oder eingereicht
  • Die Ausführungsplanung ist weitgehend abgeschlossen
  • Das Projekt ist ausschreibungsreif

In dieser Phase sind bereits ca. 70–80 % der gesamten Planungsleistung abgeschlossen.

Die Frage, die sich daraus ergibt: Wenn bereits Leistungsverzeichnisse erstellt wurden – wie kann dann noch von einem bloßen „Grundsatzbeschluss“ gesprochen werden? Wurde hier bereits deutlich weiter geplant, als den Bürgerinnen und Bürgern kommuniziert wurde?

Wir fordern hierzu Transparenz und eine klare Stellungnahme.

Dabei gilt es zu differenzieren: Sollte es sich tatsächlich um vollständige Leistungsverzeichnisse handeln, wäre die Planung bereits weit über einen Grundsatzbeschluss hinaus fortgeschritten. Sollte es sich hingegen lediglich um Kostenschätzungen auf Basis von Vergleichsprojekten handeln – was bei Machbarkeitsstudien üblich wäre – dann ist der offiziell verwendete Begriff „Leistungsverzeichnis“ irreführend gewählt.

Beides wirft Fragen zur Transparenz auf.


CSU-Behauptung 5: „Betreuung an einem Standort – ideal für Geschwisterkinder“

Das klingt gut – stimmt aber nur teilweise.

Geplant ist in Beidl eine Gruppe für das Zwischenalter (2–3 Jahre). Das bedeutet konkret:

  • Kinder unter 2 Jahren müssen weiterhin in die Krippe nach Plößberg gebracht werden – von „alles an einem Standort“ kann also keine Rede sein.
  • Ist die eine Gruppe in Beidl voll, müssen auch Geschwisterkinder nach Plößberg ausweichen.

Das Versprechen „ein Standort für alle“ gilt also nur unter Idealbedingungen – und diese werden bei steigender Kinderzahl schnell nicht mehr gegeben sein.

Diese Information fehlt im CSU-„Faktencheck“ komplett.


CSU-Behauptung 6: „Alle Risiken sind kalkuliert“

Das ist bei einer Sanierung im Bestand schlicht nicht möglich.

Jeder Baupraktiker weiß: Bei Sanierungen können jederzeit unerwartete Probleme auftreten – Schadstoffe wie Asbest, marode Bausubstanz, veraltete Leitungen oder statische Überraschungen. Das ist kein Ausnahmefall, sondern die Regel bei Altbauten.

Die entscheidende Frage: Was passiert, wenn solche Probleme im laufenden Betrieb auftreten – mit über 100 Kindern im Gebäude?

  • Müssen Gruppen kurzfristig ausgelagert werden?
  • Wohin – wenn der Standort Plößberg dann nicht mehr vorgehalten wird?
  • Wer trägt die Mehrkosten?

All diese Fragen beantwortet der „Faktencheck“ der CSU nicht. Stattdessen wird suggeriert, dass bei einer Sanierung im laufenden Betrieb alles planbar sei.

Das ist keine Faktenaussage – das ist Wunschdenken.

Selbst innerhalb des Marktrats wurden diese Risiken erkannt. Die Familienbeauftragte des Marktes wird im Pressebericht des Neuen Tags mit den Worten zitiert, sie sehe „Probleme für die Kinder während der Bauphase oder bei den unbekannten Kosten für eine Sanierung.“

Wenn sogar Befürworter des Beschlusses die Risiken benennen – wie kann die CSU dann behaupten, alle Risiken seien kalkuliert?


Transparenz? Nur für App-Nutzer.

Bezeichnend ist auch, wo diese Informationen veröffentlicht wurden: Die oben zitierten Angaben zu den Leistungsverzeichnissen sind ausschließlich über die App des Marktes Plößberg abrufbar. Auf der offiziellen Website ploessberg.de – weder unter Bekanntmachungen noch im Nachrichtenarchiv – sind diese Informationen zu finden.

Das bedeutet: Nur wer die App installiert hat, erfährt diese Details. Alle anderen Bürgerinnen und Bürger – insbesondere ältere Menschen ohne Smartphone oder App – bleiben außen vor.

Wer Transparenz verspricht, muss Informationen für alle zugänglich machen – nicht nur über einen einzigen, eingeschränkten Kanal. Das ist keine Transparenz, das ist selektive Informationspolitik.

Update: Im Laufe des Tages ist der Post auch für Desktop-User ersichtlich.


Was die CSU nicht erwähnt

63,58 % der Teilnehmer unserer Bürgerumfrage wünschten sich, dass die Entscheidung dem neu gewählten Marktrat nach der Kommunalwahl überlassen wird.

Dieser deutliche Bürgerwunsch wurde ignoriert. Die Entscheidung wurde wenige Wochen vor der Wahl durch den amtierenden Marktrat getroffen – und wird jetzt von der CSU als Erfolg inszeniert.


Was hier wirklich passiert

Die CSU veröffentlichte am Abend des 02. März 2026 – wenige Tage vor der Kommunalwahl – eine professionell gestaltete, 5-teilige Social-Media-Kampagne mit eigenem Branding und dem Label „Faktencheck“.

Das Timing ist kein Zufall. Eine Woche nach der Sitzung, wenige Tage vor der Wahl – das ist keine Bürgerinformation, das ist gezielte Wahlkampfkommunikation. Die CSU nutzt eine Sachentscheidung über die Zukunft unserer Kinder, um sich kurz vor dem Wahltermin als handlungsfähig zu inszenieren.

Und genau das ist das Problem:

– Die WgBfB hat die Bürger gefragt – offen, anonym, ergebnisoffen.
– Der Elternbeirat hat dem Marktrat Kriterien gegeben – neutral, sachlich, ehrenamtlich.
– Die CSU macht daraus einen „Faktencheck“ mit ihrem Logo – und vereinnahmt die Arbeit anderer für den eigenen Wahlkampf.

Die Zukunft unserer Kinder gehört nicht in den Wahlkampf.


Unsere Position

Wir als WgBfB respektieren den Grundsatzbeschluss des Marktrats.
Die Entscheidung ist gefallen.

Aber wir akzeptieren nicht, dass:

  • ein ehrenamtlicher Elternbeirat für Parteipolitik vereinnahmt wird
  • Bürgerstimmen selektiv dargestellt werden
  • eine Sachentscheidung zur Wahlkampfinszenierung wird
  • der tatsächliche Planungsstand möglicherweise nicht transparent kommuniziert wird

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Bürgerinnen und Bürger im Markt Plößberg gehört werden – unabhängig, sachlich und transparent.


Wählergemeinschaft Bürger für Bürger (WgBfB)
Markt Plößberg – unabhängig, bodenständig, zukunftsorientiert und transparent


Quellen:

  • Offizielle App des Marktes Plößberg, Abschnitt Kinderbetreuung (abgerufen am 02.03.2026) – auf ploessberg.de weder unter Bekanntmachungen noch im Nachrichtenarchiv auffindbar